1. Museum im „Stern“

Das Haus entstand 1339/40 (Datierung auf dendrochronologischer Basis) als zweigeschossiger Steinbau. Durch eine Übertragungsurkunde von 1460 ist Bürgermeister Friedrich von Windelen als erster namentlich bekannter Besitzer des damals bereits als „Stern“ bezeichneten Gebäudes überliefert. Nachdem Herzog Christian von Braunschweig das Kloster Wormeln 1621/22 gebrandschatzt hatte, wohnten die Nonnen mindestens bis 1635 in dem Haus. 1748 übernahmen sie dies mit Kaufvertrag und ließen es nachfolgend barock umbauen. 1787 gelangte es in Besitz des Bürgermeisters Philipp Rosenmeyer. Danach folgten weitere private Besitzer. Seit 1920 im Eigentum der Stadt war hier bis 1958 unter anderem das Finanzamt unterbracht. Weiterer Verwaltungsnutzung folgte ab 1980 der Umbau zum Heimatmuseum mit Stadtarchiv. Das im September 1988 eröffnete Museum präsentiert Exponate aus der Vor- und Frühgeschichte der Region sowie der Warburger Stadt- und
Wirtschaftsgeschichte, dazu kunsthistorische Bestände zumeist heimischer Künstler. In der siebenachsigen Traufseite sitzt der Eingang aus der Mittelachse nach Norden gerückt. Dessen reich profilierte Steinrahmung mit leicht stichbogiger Verdachung zeigt beiderseits eines wuchtigen, mit Stern verzierten Scheitelsteins als Chronogramm die Bezeichnung SteLLa Llbera WorMeLensIs CVrIa / eX toto noVa protegente reglna CoeLl LVCet / sVb VICtorIa Abbatlssa / et FF: Ioseph præposIto, die auf die Umbauten unter der Äbtissin Victoria Weymann und dem Propst Joseph Cothmann im Jahr 1750 verweist.

Die Fenster haben Werksteingewände, an der Nordseite sind Reste genaster Spitzbogenfenster kenntlich. Ihre Anordnung weist auf eine ursprünglich differierende Geschosseinteilung hin. Die Kaffgesimse am Nordgiebel lassen die Höhe der Staffeln erahnen, die unterste ist mit Resten der ursprünglichen Vorkragung und nachträglichem oberem Abschluss erhalten. Am Südgiebel finden sich Speicheröffnungen in mehreren Ebenen. An der Westseite steht auf Höhe des Treppenhauses ein jüngerer Toilettenanbau; der Zugang daneben musste beim Erwerb durch die Stadt vermauert werden. Nordöstlich schließt sich eine als frei stehender Steinbogen mit aufgesetzten Figurensockeln gestaltete barocke Hofzufahrt an.

Beim Umbau im 18. Jahrhundert wurde der vermutlich ursprünglich an der Nordseite gelegene Hauptzugang an die Traufseite verlegt und damit die Erschließung verändert, die seither in beiden Geschossen über einen Querflur und daran nach Süden anschließenden Längsflur erfolgt. Mit einigen nutzungsbedingten Änderungen ist diese Raumdisposition erhalten, ebenso die zweiläufige
Podesttreppe mit Balustergeländer und mehrere Türblätter. 1788/89 (Datierung auf dendrochronologischer Basis) entstand im südwestlichen Obergeschossraum unter dafür neu geschaffenem Sprengwerk eine Rahmenstuckdecke. Im sogenannten Gottfried-Beyer-Saal im Dachgeschoss liegt das Kehlbalkendachwerk mit zwei Balkenlagen frei; die Aufzugsvorrichtung vor der Südwand stammt vermutlich aus einem Haus in der Neustadt. In eher seltener Weise besitzt das Gebäude an beiden Enden je einen quer gerichteten, tonnengewölbten Keller. Zwischen dem Treppenabgang und dem südlichem Keller vermittelt ein möglicherweise nachträglich eingebauter Eingang mit abgefastem Rundbogen. Der ältere Kelleraufgang mündete wohl im noch vorhandenen östlichen Anraum. Der nördliche, nachträglich unterteilte Keller war ursprünglich wohl flach gedeckt und von Westen über einen rundbogigen Zugang erreichbar. Beim Barockumbau erhielt er einen neuen Abgang unter dem Treppenhaus, möglicherweise stammt auch das Gewölbe aus dieser Zeit. Das Gebäude gehört zu den ältesten Profanbauten der Stadt, sein Name ist bereits im 15. Jahrhundert
überliefert. Diese lange Überlieferung und seine heutige Nutzung verleihen dem „Stern“ eine hohe stadthistorische Bedeutung.

HAGEMANN 1903, Seite 64F.; BKW WARBURG 1939, Seite 468; NOLTE 1986B, Seite 159F.; MÜRMANN ohne Jahr; NOLTE 1990; NOLTE 1991, Seite 108; BAUDENKMÄLER ohne Jahr, Seite 239; ARCHÄOLOGISCHE BESTANDSERHEBUNG 1998, Seite 80- 82; ERINNERUNGEN 2011, Seite 123F.; DUBBI 2012, Seite 32F.

Quelle: Stadt Warburg. Hrsg. v. Landschaftsverband Westfalen-Lippe und der Hansestadt Warburg. Petersberg 2015 (Denkmäler in Westfalen, Kreis Höxter, Band