10. Mönchehof

Der ehemalige Hardehäuser Klosterhof, sogenannter Mönchehof, ein lang gestreckter, zweigeschossiger, giebelständiger Massivbau entstand im Kern Ende des 13. Jahrhunderts. Bereits 1258 hatte Bischof Simon von Paderborn dem Zisterzienserkloster Hardehausen (> Scherfede, Abt-Overgaer-Straße 1) einen Hof in der Neustadt geschenkt. Nach Grundstückszukauf um 1290 entstand zunächst der unterkellerte Südteil mit den Wohn- und Diensträumen der Mönche, dem im 14. oder 15. Jahrhundert zur Sternstraße hin ein langes Speichergebäude für die Zehntabgaben angefügt wurde. An diesem Teil erfolgten 1605 unter Abt Jakob Luchtgenbach und 1680-93 unter Abt Stephan Overgaer Erneuerungen, 1728 am Südteil im größeren Umfang unter Abt Laurentius Kremper. Nach der Auflösung des Klosters war der Hof von 1804 bis 1919 in Besitz der Familie Rosenmeyer, die ihn an die Stadt verkaufte. Durch die Sanierung 1962/63 konnte ein zuvor beantragter Abbruch des Gebäudes abgewendet werden; 1973 erfolgten eine Außensanierung, 1980 Umbauten im Nordteil zur Nutzung als städtisches Jugendzentrum, 2009/10 im Südteil die Einrichtung der Schulmensa des Marianums.

Die beiden leicht abgeschrägt aneinandergefügten Bauteile erreichen zusammen eine Länge von 45,65 m. Die Nord- und die Westseite am Speicher haben offenes
Bruchsteinmauerwerk, die übrigen Wandflächen sind verputzt. An der dreiachsigen Nordgiebelwand, die vermutlich ursprünglich einen Treppengiebel besaß, finden sich teilweise rekonstruierend ergänzt in vier Ebenen gotische, ge naste Spitzbogenfenster; vergleichbare im Erdgeschoss wurden nachträglich durch größere rechteckige Fenster ersetzt. Im Giebel verweist ein Wappenstein, bezeichnet FSO AH AO 80, unter einer leeren Figurennische auf Frater Stephan Overgaer, Abbas Hardehusanus und das Jahr [16]80. An der Westseite gibt es Reste eines vermauerten Spitzbogeneingangs; die Hauptzugänge liegen hofseitig im Osten. Beide wurden bei den jeweiligen barocken Umbauten erneuert und mit Inschriften im Sturz versehen, der nördliche ist bezeichnet F S O A H P ANNO 1693, der am Südteil LAVRENTIVS KREMPER ABBAS HARDEHVSANVS POSVIT ANNO 1728. Ergänzend dazu die von einem Lorbeerkranz gerahmte Bezeichnung REPARABAT DOMINVS D:LAVRENTIVS KREMPER ABBAS IN HARDEHAVSE ANNO 1728 an der vierachsigen südlichen Giebelseite. Bei den barocken Maßnahmen wurden auch die Fenster rechteckig
erneuert sowie südlich die regelmäßige Eckquaderung und die profilierten Geschoss- und Ortganggesimse am Giebel gestaltet. Im Südteil lassen sich im ehemaligen Wohn- und Arbeitsbereich der Mönche und Äbte mehrfache Veränderungen feststellen.

Im derzeitigen Zustand vermittelt der Eingangsraum zum Treppenhaus im abgetrennten Westteil des Querflurs und zu einem südlichen Stichflur. An dessen Ende sitzt eine geohrte, profilierte steinerne Türrahmung; am oberen Rand eines weiteren steinernen Türrahmens wurden Reste einer ornamentalen Wandmalerei aufgedeckt. Die mit einem Richtungswechsel geführte Treppe und mehrere Feldertüren dürften aus der barocken Umbauphase stammen. Unter den Räumen im Obergeschoss nimmt der nordöstliche mit einem verputzten Kreuzgratgewölbe eine Sonderstellung ein, da sich gewölbte Räume vor Ort ansonsten weitgehend auf den Kellerbereich oder das Erdgeschoss beschränken. Das erste Dachgeschoss wurde wohl im späten 19. Jahrhundert ausgebaut. Vom Eingangsraum führt ein heute durch eine Glasplatte geschlossener Abgang in den östlichen der beiden parallelen tonnengewölbten Kellerräume, die über einen gerade geschlossenen Durchgang verbunden sind. Vom westlichen Keller aus mündet ein zweiter Aufgang im ehemaligen Speicherbau. Dieser war im Inneren zweischiffig unterteilt und erhielt beim barocken Umbau einen Mittelflur. Das Kehlbalkendachwerk darüber zeigt auf der hier nicht ausgebauten ersten Ebene drei stehende Stuhlreihen mit Kopfbändern in Längsrichtung. Der Mönchehof gehört zu den großen erhaltenen mittelalterlichen profanen Steinbauten in der Stadt. Er dokumentiert die große Bedeutung, die das Kloster Hardehausen in der Region besaß.

HAGEMANN 1903, Seite 63f.; BKW WARBURG 1939, Seite 468; NOLTE 1986B, Seite 150-152; ARCHÄOLOGISCHE BESTANDSERHEBUNG 1998, Seite
82f.; NOLTE 1991, Seite 107; BAUDENKMÄLER ohne Jahr, Seite 134f.; DEHIO 2011, Seite 1121; DUBBI 2012, Seite 36 folgende Quelle: Stadt Warburg.

Hrsg. v. Landschaftsverband Westfalen-Lippe und der Hansestadt
Warburg. Petersberg 2015 (Denkmäler in Westfalen, Kreis Höxter, Band 1.1.
Denkmaltopographie der Bundesrepublik Deutschland).