11. Corvinus-Haus

Sog. Corvinushaus, ehemaliger Romhof, auf großzügiger Freifläche bestehend aus einem mehrphasigen, im Kern spätmittelalterlichen Haupttrakt und einem östlichen Quertrakt (Nr. 19) von 1850/51. Ursprungsbau war ein eingeschossiger, wohl aus dem frühen 15. Jahrhundert stammender Bruchsteinbau (Nr. 21) der Familie von Haxthausen. Nach dessen Verkauf 1488 ließen zwei aus Warburg stammende Mainzer Kleriker 1488/89 (Datierung auf dendrochronologischer Basis) zunächst das Hinterhaus (Nr. 23) aufstocken und 1490/91 (Datierung auf dendrochronologischer Basis) den Hauptbau zwischen den Stufengiebeln um ein Speichergeschoss mit Krüppelwalmdach erhöhen. 1491 übergaben beide den Bau an den Warburger Kaland, der seine Versammlungen zuvor außerhalb der Stadtmauern in der Petrikirche auf der Hüffert abgehalten hatte. Die Bezeichnung „curia Romana“ in der Schenkungsurkunde an die geistliche Bruderschaft führte wohl zum lange Zeit gebräuchlichen Gebäudenamen Romhof. Nach einem Besitzerwechsel Mitte des 18. Jahrhunderts hatte der Kaland nur noch die Nutzungsrechte am Speichergeschoss. Nach 1798 erwarb der preußische Staat das Gebäude und brachte dort 1804 das Justizamt und nachfolgend 1818 das Zollamt unter.

1836/37 richtete die Stadt darin das Krankenhaus ein, als Erweiterung entstand zur Jahrhundertmitte der Quertrakt. Nach dem Neubau des Krankenhauses 1924-26 auf der Hüffert diente der Bau als Mietshaus. 1958 wurde er im Tausch gegen Räume im Gymnasium Marianum (> Brüderkirchhof 7) der evangelischen Kirchengemeinde übergeben. Die Umbauarbeiten zum Gemeinde- und Pfarrhaus dauerten bis 1961 und brachten unter anderem im Hauptbau die Entkernung des Erdgeschosses, den Einbau eines Stahlgerüstes und den Abbruch eines westlichen Anbaus mit sich. Nach einer Besitzaufteilung der drei Hausteile wurden 2013/14 der Haupttrakt durch die Pfarrgemeinde als evangelisches Gemeindezentrum und das Hinterhaus durch private Besitzer zu Wohnzwecken umgebaut und saniert. Aufgrund der unterschiedlichen Baumaterialien lassen sich die Hauptbauphasen außen gut erkennen. Markanter Bauteil des steinernen Ursprungsbaus ist die Nordseite mit dem zweistufigen Staffelgiebel. Im 1962 geschlämmten Mauerwerk sind Reste der kleineren, gefasten Fenstereinfassungen kenntlich; die seitlichen, gekehlten Kragsteine zeigen eine Nasung mit Sternstraße 21, Warburg, Kreis Höxter (aktuell) Sternstraße 23, Warburg, Kreis Höxter (aktuell). Vor GDK als öffentlich markierte Objekte Denkmaltopographie Warburg angesetzter Knospe; die Windlöcher, von denen zwei als Vierpässe und das mittlere als Dreipass geformt sind, liegen oberhalb der an der Innenseite im Dachgeschoss noch kenntlichen ehemaligen Dachlinie; den oberen Abschluss bildeten ursprünglich wohl fünf zinnenartige Aufsätze, von denen sich die drei mittleren vermauert erhalten haben. Das um 1960 an die Ostseite verbrachte ehemalige Mittelportal hat im Sturz zwei barocke Wappen. An der Nordseite entstand 2013 an alter Stelle der neue Hauptzugang. Die Westseite wurde im späten 15. Jahrhundert in beiden Geschossen in Fachwerk abgezimmert. Die Reihung der Fenster im Erdgeschoss ist Ergebnis des Umbaus zum Gemeindesaal um 1960. Das über hohen, gekehlten Knaggen weit vorkragende Speichergeschoss hat profilierte Schwellbalken und in dichter Reihung gebogene Fußstreben. An dem über hohem Kellersockel errichteten Hinterhaus wurde das Fachwerk des Obergeschosses wohl nachträglich massiv erneuert und das vorkragende Giebeltrapez mit einer Holzverschalung versehen.

Der Queranbau von 1850/51 aus Backstein ruht auf einem Kellergeschoss aus Bruchsteinquadern, die zum Teil gekuppelten Fenster haben Sandsteineinfassungen. Im vormals für den Gemeindesaal entkernten Erdgeschoss des Haupthauses wurden jüngst mehrere Räume und ein neuer Treppenaufgang abgeteilt. Das dreilagige Kehlbalkendach mit Spitzsäulendachwerk und zwei stehenden Stühlen auf der ersten Ebene wurde nachträglich verstärkt. Die Tonnenwölbung im Keller unter dem Hinterhaus liegt in First richtung. Die ehemaligen Säle in den beiden darüberliegenden Geschossen haben mittig Holzstützen, die über ursprünglich je vier Kopfstreben mit den Unterzügen und Deckenbalken versteift waren. Der Keller unter dem östlichen Querbau hat beiderseits des Längsflurs je zwei Reihen stichbogig gewölbter Kompartimente zwischen Trennmauern mit stichbogigen Öffnungen. In den Geschossen darüber reihen sich die Räume beiderseits der Längsflure. Im Kernbestand gehört das heutige evangelische Gemeindehaus zu den als Steinbauten errichteten Adelshöfen. Im Vorgriff auf die Nutzung durch den Warburger Kaland wurde er umgebaut und mit einem Speichergeschoss versehen. Durch seine weitere Nutzung als königlichpreußischer Verwaltungsbau und später als Krankenhaus hatte der Bau auch nachfolgend eine zentrale Bedeutung in der Stadt.

BSW – BKW WARBURG 1939, Seite 469; KASPAR 1986, Seite 236; NOLTE 1986B, Seite 160f.; NOLTE 1991, Seite 108f.; BAUDENKMÄLER ohne Jahr, Seite 237; ARCHÄOLOGISCHE
BESTANDSERHEBUNG 1998, Seite 83f.; DEHIO 2011, Seite 1125; DUBBI 2012, Seite 20 folgende Quelle: Stadt Warburg.

Hrsg. v. Landschaftsverband Westfalen-Lippe und der Hansestadt Warburg. Petersberg 2015 (Denkmäler in Westfalen, Kreis Höxter, Band 1.1. Denkmaltopographie der Bundesrepublik  Deutschland).