15. Sackturm (Sacktor weiter unten)

Der etwa 28,5 m hohe Rundturm entstand im Verbund mit dem benachbarten > Sacktor 1309 oder kurz danach. 1414 ist ein Turmwächter auf dem „Sacdoor“ überliefert. Das in der Ortsüberlieferung häufig als Erbauungszeit genannte Jahr 1443 bezieht sich daher auf einen Umbau beziehungsweise die Aufstockung des Turms. Die finanziellen Mittel hierfür stammten aus Lösegeldern, die die Stadt 1442 für Ritter und Söldner des Herzogs von Braunschweig- Grubenhagen während der Sachsenfehde erhalten hatte, weshalb sich als Bezeichnung häufig auch Sachsenturm findet. Im 16. und 17. Jahrhundert diente der Turm als Gefängnis. Im 19. Jahrhundert wurden Abstellräume an Geschäftsleute verpachtet, wofür wohl zur Sackstraße eine später wieder vermauerte Türe und ein Geschoss darunter südlich der 1808 datiert Zugang geschaffen wurden. Nachdem der Burgfriedhof (> Auf der Burg o. Nr.) nach dem Zweiten Weltkrieg bis vor den Sackturm erweitert wurde, entstand im untersten Geschoss 1955 eine Kriegerdächtnisstätte, in der auch Gefallenentafeln der Kriege 1864-70/71 vom abgebauten Denkmal am Gebrüder-Warburg-Platz untergebracht wurden. Die Räume in den Obergeschossen dienten ab den 1930er Jahren verschiedenen Jugendgruppen und – organisationen.

Derzeit sind es die einzigen begehbaren Bereiche in den Warburger Stadtmauertürmen.An dem hohen Bruchsteinzylinder zeigt das oberste Geschoss ein umlaufendes Sohlbankgesims, darüber sitzt eine barocke Haube mit Schieferdeckung. An der Südseite ist im unteren Geschoss der Ansatz der in dieser Richtung weitergeführten Stadtmauer kenntlich, woraus ersichtlich wird, dass der Turm mindestens bis zu dieser Höhe aus dem frühen 14. Jahrhundert stammt. Etwas über der halben Höhe gibt es nach Südwesten über vier Kragsteinen einen Flacherker mit Steinsatteldach, der wohl als Aborterker diente. Im obersten Geschoss lassen Reste von Kragsteinen kleine balkonartige oder holzverkleidete Aussichtsstellungen nach allen vier Himmelsrichtungen vermuten. Der über das Tor geführte Wehrgang war ursprünglich der einzige Zugang zum Turm.Der Sackturm und das zugehörige Tor mit seinem tiefen, zwingerartigen Vorwerk haben sich als eindrucksvolle, gut gesicherte Toranlage erhalten.

BKW WARBURG 1939, Seite 456; NOLTE 1986B, Seite 144; BAUDENKMÄLER O. J., Seite 145; ARCHÄOLOGISCHE BESTANDSERHEBUNG 1998, Seite 47f.; DUBBI 2012, Seite 10f.

Quelle: Stadt Warburg. Hrsg. v. Landschaftsverband Westfalen-Lippe und der Hansestadt Warburg. Petersberg 2015 (Denkmäler in Westfalen, Kreis Höxter, Band 1.1. Denkmaltopographie der Bundesrepublik Deutschland).

15. Sacktor

Das ursprünglich weiter stadteinwärts gelegene Altstädter Westtor wurde 1309 zusammen mit den anschließenden Stadtmauerstücken nach außen gerückt. Daher ist die Bauzeit von Tor und direkt angefügtem > Sackturm in dieser Zeit zu vermuten. Zusätzlich zur Erweiterung der ummauerten Fläche hatte diese Maßnahme den Effekt, dass die Stadt den nun innerhalb ihrer Ummauerung gelegenen Burgzugang kontrollieren konnte. Nachfolgend entstand um 1390 und ab 1471 in zwei Phasen jeweils im Zusammenhang feldseitig vorgesetzter Zwingermauern das lang gestreckte Vorwerk mit zwei nicht mehr vorhandenen Torbögen. Da die Anlage unter anderem in Richtung der Hüffert mit Petrikirche und Petrihospital führte, wurde es auch als Petritor bezeichnet; die heute über dem Tor in einer Nische aufgestellte, vermutlich barocke Steinstatue des Heiligen Petrus hatte bis ins späte 19. Jahrhundert ihren Platz in der Mauer vor dem Tor. Die spitzbogige, von Werksteinen eingefasste Tordurchfahrt sitzt in einer Mauerscheibe aus Bruchsteinen, der stadtseitig der hier noch in Resten erhaltene Wehrgang angesetzt ist. Innerhalb des knapp 40 m langen Vorwerks lassen sich durch leichte Versprünge sowie Unregelmäßigkeiten und Fugen im Mauerwerk die Bauabschnitte und die Stellen der beiden äußeren Tore ablesen. Der runde Schalenturm am nördlichen äußeren Rand des Vorwerks war mit den für Kanonen und kleinere Feuerwaffen vorgesehenen Schlüssel- und Rundscharten auf den Verteidigungsstand des späten 15. Jahrhunderts
ausgerichtet.

KW WARBURG 1939, Seite 454-456; NOLTE 1986B, Seite 144; BAUDENKMÄLER O. J., Seite 144; ARCHÄOLOGISCHE BESTANDSERHEBUNG 1998, Seite 47f.; DUBBI 2012, Seite 10f.

Quelle: Stadt Warburg. Hrsg. v. Landschaftsverband Westfalen-Lippe und der Hansestadt Warburg. Petersberg 2015 (Denkmäler in Westfalen, Kreis Höxter, Band 1.1. Denkmaltopographie der Bundesrepublik Deutschland).