23a. Fachwerkhaus am Markt 23

Das Längsdielenhaus an der Ecke zur Josef-Kohlschein-Straße wurde 1699 errichtet und 1718 um eine rückwärtige Scheune ergänzt. Im frühen 19. Jh. erfolgten Umbauten, die neben der Erneuerung großer Teile der Fachwerkaußenwände Veränderungen im Inneren mit sich brachten. Bei Erneuerungen 2002/03 hat man die innere Raumdisposition verändert, den bereits mit Wohnräumen vorgesehenen ehem. Speicherboden und die beiden Dachgeschosse mit Wohnungen ausgefüllt sowie die Giebelspitze anstelle eines zwischenzeitlichen Krüppelwalms rekonstruiert. Zugleich wurde die Scheune mit Ausnahme des südseitigen Kellers durch einen Neubau ersetzt.

Die auf annähernde Symmetrie bedachte fünfachsige Gliederung der beiden unteren Geschosse an der schräggestellten Giebelseite stammt aus dem frühen 19. Jh., die vier Fenster im ehem. Speichergeschoss aus der Hälfte des 20. Jh., diejenigen im Dachgeschoss 2002/03. Das einfach verriegelte Fachwerk ist durch lange Fußstreben ausgesteift. Unterhalb des Speichergeschosses und am Giebel zeigen die gerundeten Füllungshölzer zwischen den ebenfalls gerundeten Balkenköpfen ornamentale Bemalungen.

Der in der ursprünglichen Raumdisposition südöstlich in die Diele eingestellt Stubenteil hat aufgrund des darunterliegenden tonnengewölbten Kellers ein etwa höheres Bodenniveau. Die westlich dahinter anschließenden Räume einschließlich einer zweiläufigen Treppe wurden im frühen 19. Jh. eingebaut. Südseitig unter dem Neubau gibt es einen zweiten tonnengewölbten, aus Bruchsteinen und rötlichem Sandstein gemauerten Keller, der am Ende des Treppenaufgangs eine steinerne Türrahmung aufweist. Er gehörte zu einem Vorgängerbau vor dem Scheunenbau des 18. Jh. Sein weiter nach Süden gerückter Bauplatz und die leicht schräge Lage der beiden Keller zur heutigen Hausachse deuten vermutlich auf einen älteren Grenzverlauf hin.

Das benachbart zum Rathaus in städtebaulich wirksamer Ecklage errichtete Fachwerkhaus zählt zu den späten Beispielen des spätmittelalterlichen Typs eines Dielenhauses mit Speichergeschoss, wodurch hier eine geräumige Kornlagerung ermöglicht wurde.

BSW – Baudenkmäler o.J., S. 151; Kapsar / Barthold 2001.

Quelle: Stadt Warburg. Hrsg. v. Landschaftsverband Westfalen-Lippe und der Hansestadt Warburg. Petersberg 2015 (Denkmäler in Westfalen, Kreis Höxter, Band 1.1. Denkmaltopographie der Bundesrepublik Deutschland).