24. Kannegeter Haus
Das giebelständige Dielenhaus mit Speichergeschoss entstand laut Inschrift über dem Torbogen 1523 für Arnt Kannegeter, dessen Nachname in Wort-Bild-Kombination erscheint. Die Toröffnung wurde um 1830/40 (?) zugesetzt und mit einer Tür versehen, wobei ein Zusammenhang mit dem zweigeschossigen Ausbau der Diele bestehen könnte. Die abrupt endenden Riegel der Giebelseite belegen, dass die Traufmauern aus Bruchstein nachträglich sind (die östliche 1975 erneuert). Sie reichen bis an das einfach verriegelte Speichergeschoss. Die Rahmenhölzer des Dielentors haben am Rand einen Rundstab und im oberen Teil zusätzlich eine Kehlung, die Inschrift in spätgotischer Minuskel ist seitlich des Torbogens auf vier Felder verteilt. Darüber kragen auf gekehlten Knaggen das Speichergeschoss und der Giebel vor. Spätmittelalterliche Bildungen zeigen die profilierten Schwellbalken (u.a. Abfasungen mit seitlicher Kehlung) oberhalb der Vorkragungen. Die Fußbänder im Speichergeschoss haben maßwerkartige Nasungen. Der darüber aufgeblattete Brustriegel ist ebenfalls zeittypisch profiliert. Die oberste Knaggenreihe gehörte nicht zu einer weiteren Vorkragung. In den beiden unteren Geschossen ist die Grundrissdisposition als zweischiffiges Dielenhaus aufgrund der Ausbauten ansatzweise erkennbar.
Eine größere hausgeschichtliche Aussagekraft besitzt das weitgehend vom Ausbau frei gebliebene Speichergeschoss und das Kehlbalkendachwerk mit Firstsäulenkonstruktion. Der Unterzug der Dachbalkenlage ist mit dem Firstständer verkämmt, die beiden Stuhlrähme durch die Firstständer gezapft. Um in der Längsrichtung einen Platz für die Aufzugsvorrichtung freizuhalten, ist das Dachwerk zweiteilig aufgezimmert; im Boden des Speicher- und des Dachgeschosses haben sich die zugehörigen Ladeluken erhalten. Einige der Ständer im Speichergeschoss sind durch vier Kopfbänder mit dem Unterzug und den Dachbalken ausgesteift; zwischen den Traufwandständern und den Dachbalken sitzen gebogene Kopfbänder. Teilweise füllen noch ungebrannte Lehmziegel oder Lehmputzfelder mit Kammritzungen die Gefache. Aufgrund der Hanglage hat der flach gedeckte Kellerraum unter dem Hinterhaus Erdgeschossniveau; an seiner Westseite führte ein vermauerter Torbogen zu einem nicht mehr vorhandenen großen, tonnengewölbten Keller. Das Wohnhaus, das zusammen mit dem knapp zwei Jahrzehnte jüngeren, im Aufbau und Gestaltung vergleichbaren Gebäude > Nr. 28 zu den stattlichen spätmittelalterlichen Dielenhäusern in zweischiffiger Ausprägung gehört, verfügt noch über im Gesamtaufbau und bei den konstruktiven Details authentisch erhaltene ehemalige Speicherebenen.
BSW – BKW WARBURG 1939, Seite 475, 480f.; KASPAR 1986, Seite 232; NOLTE 1986B, Seite 164f.; BAUDENKMÄLER ohne Jahr, Seite 213.
Quelle: Stadt Warburg. Hrsg. v. Landschaftsverband Westfalen-Lippe und der Hansestadt Warburg. Petersberg 2015 (Denkmäler in Westfalen, Kreis Höxter, Band 1.1. Denkmaltopographie der Bundesrepublik Deutschland).