25. Goldschmidt-Haus

Dielenhaus mit Speichergeschoss in Ecklage zur Straße An der Burg entstand 1538. Die wohl nicht ganz stimmig wieder hergestellte Inschrift in spätgotischer Minuskel [?]OPLETU(M) EXPENSIS HONESTI JOHANIS […?] ANO M CCCCC XXX VIII IIIIXX MAII wird mit Johannes Armbruster oder Johannes Asshoeer (Ashauer) als Bauherrn in Verbindung gebracht. Im 3. Viertel des 18. Jahrhunderts wurde die Diele durch eine Zwischendecke unterteilt. Mitte des 19. Jahrhunderts ließ der damalige Besitzer Salomon Berg den rückwärtigen, hangseitigen Hausteil nach Schädigung neu fundamentieren und errichten sowie Haustür und Fenster erneuern. Etwa zeitgleich wurde das zugehörige seitliche Nebengebäude, ein unterkellerter Saalspeicherbau, durch einen Neubau ersetzt, vergleiche > Nr. 30. Das der Synagoge benachbarte, etwa 200 Jahre in Verfügungsgewalt beziehungsweise Besitz jüdischer Familien befindliche Anwesen kam in der Nachkriegszeit über die Jewish Claims Conference durch Verkauf an die Stadt Warburg und wurde Mitte der 1950er Jahre unter Einbezug des an der Giebelseite vierfach durchfensterten Speichergeschosses zum Mietshaus umgebaut. Nach der Aufteilung von Haupt- und Nebengebäude kamen beide in den 1970er Jahren in Privatbesitz, was im Inneren unter anderem neue Trennwände erforderte. Das
Fachwerk setzt auf einem hohen, das hangansteigende Niveau mit Versprüngen ausgleichenden Bruchsteinsockel an. Am Dielengeschoss sind Ständer und Riegel traufseitig im älteren Teil mit einer wandhohen, im unteren Bereich erneuerten Strebe überblattet. Im jüngeren, rückwärtigen Hausteil dienen Fußstreben zur Aussteifung.

Das ehemalige Dielentor zeigt am Bogenlauf und dem rahmenden Rechteckfeld eine mit schmaler Kehlung und Rundstab profilierte Rahmung, wie sie ähnlich an den Resten eines niedrigen Spitzbogenportals an der Traufseite erscheint. Über gekehlten Knaggen kragt das Speichergeschoss an zwei Seiten mit profilierten Schwellbalken vor. Lediglich in drei Gefachen an der Traufseite sind die Ständer von gerundeten Fußbändern flankiert. Das ebenfalls vorkragende Giebelfeld wurde im 19. Jahrhundert in schlichter Form etwas zurückgesetzt erneuert. Im Inneren gab es in der westlichen Haushälfte ursprünglich eine breite Längsdiele, die sich auf Erdgeschossniveau in zwei Luchtnischen öffnete. Zwischen diesen führte eine steile Tre ppe zu den darüber liegenden Schlafkammern, deren spitzbogige Türöffnungen erhalten blieben. Vom spätbarocken Ausbau zeugen noch drei Kammertüren.

Das Kehlbalkendachwerk hat eine für die Platzierung der Aufzugswinde zweigeteilte Spitzsäulenkonstruktion. Von den ängsversteifenden Strebenkreuzen blieb eine vollständig erhalten; über dem jüngeren rückwärtigen Teil und direkt hinter dem vorderen Giebel gibt es jeweils zwei stehende Stühle. Eines der bedeutenden spätmittelalterlichen, zweischiffigen Dielenhäuser in der Stadt, das durch seine Ecklage besonders prägend im Straßenbild wirkt.

BSW – BKW WARBURG 1939, Seite 475; KASPAR 1986, Seite 234; BAUDENKMÄLER ohne Jahr, Seite 214; DEHIO 2011, Seite 1124.

Quelle: Stadt Warburg. Hrsg. v. Landschaftsverband Westfalen-Lippe und der Hansestadt Warburg. Petersberg 2015 (Denkmäler in Westfalen, Kreis Höxter, Band 1.1. Denkmaltopographie der Bundesrepublik Deutschland).