26. Johannistor und -turm

Der Johannisturm enthält das westliche Altstädter Tor und reicht in seiner Anlage in die Ersterbauungszeit der Stadtbefestigung im 13. Jahrhundert Erstmals wurde er 1290 genannt, sein Name verdankt sich wohl der ehemalige(r) Johann-Evangelist-Kapelle, die bis 1622 in der Niederhüffert nahe dem heutigen Bildstock > Johannistorstraße o. Nr., stand. Wie bei den meisten anderen Türmen kam es auch hier im 14. oder 15. Jahrhundert zur Neuaufmauerung beziehungsweise Aufstockung. Dabei fand ein von unbekannter Stelle übernommener Eckquader eines möglicherweise noch ins 13. Jahrhundert datierbaren Reliefs mit Tatzenkreuz und Inschrift ORATE PRO / VIROL […]O BER / TRADE UXO(R)E / EI(US) XV / PVERIS EORUM im Kreis Wiederverwendung (seit 2013 Kopie; Original im Museum im Stern > Sternstraße 35). Dieser älteste bekannte Warburger Inschriftstein wendet sich an den Leser mit der Bitte um ein Gebet für einen namentlich nicht fassbaren Familienvater, seine Frau Bertradis und ihre 15 Kinder. Im 15. Jahrhundert wurde dem Sacktor in etwa vergleichbar ein lang gestrecktes zwingerartiges Vorwerk mit einem Rondell beziehungsweise einer Rundbastion am vorderen Eck vorgesetzt, das auf einer Karte von 1752 und auf dem Urriss von 1832 noch verzeichnet ist. Zur Schaffung einer neuen Durchfahrt in Verlängerung der Klockenstraße legte man im späten 19. Jahrhundert südlich des Turms die in diesem Bereich ursprünglich 6 m hohe und 1,8 m breite Mauer auf etwa 35 m Länge nieder. An dem aus Bruchsteinen gemauerten Torturm mündeten über eine Verbindungsgasse die beiden parallelen Ost-West-Verbindungen (heutige Josef-Kohlschein- und Klockenstraße).

Am Turm gab es einen auffälligen Versprung im Mauerverlauf, da eine Mauer an seiner nordwestlichen Kante, die weiterführende an seiner südöstlichen Kante ansetzte. Die spitzbogig gewölbte Durchfahrt endet beidseitig in etwas niedrigeren spitzen Torbogen, von denen der stadtseitige mit grauen, der feldseitige mit rötlichen Quadern gerahmt ist; zusätzlich befindet sich an dieser Seite eine hohe, rundbogige Mauerblende mit seitlichen Führungsschächten für das Torgitter. Die Öffnungen sind mit roten Steinquadern gefasst. Mit Ausnahme der Stellen mit den Maueranschlüssen gibt es kräftige Eckquader, die weitgehend aus rotem, dazwischen jedoch oberhalb des Wehrgangniveaus mit etwa zehn Lagen aus gräulichem Stein bestehen. An der Südseite existiert knapp unter Wehrgangniveau ein flacher, mit einer abgeschrägten Steinlage abgeschlossener Vorsprung. Oberhalb der vom ehemalige(r) Wehrgang aus erreichbaren Zugangstür finden sich regelmäßig gelagerte Reihen von Balkenlöchern. Die barock geschweifte Turmhaube wurde 1965 neu verschiefert. Der Johannisturm ist der einzige erhaltene von ursprünglich mehreren Tortürmen und erfährt auch durch das rätselhafte, wohl auf einen Unglücksfall oder eine Stiftung zurückgehende Scheibenkreuz besondere stadthistorische Aufmerksamkeit.

BKW WARBURG 1939, Seite 458f.; NOLTE 1986B, Seite 143; BAUDENKMÄLER O. J., Seite 137; ARCHÄOLOGISCHE BESTANDSERHEBUNG 1998, Seite 46.

Quelle: Stadt Warburg. Hrsg. v. Landschaftsverband Westfalen-Lippe und der Hansestadt Warburg. Petersberg 2015 (Denkmäler in Westfalen, Kreis Höxter, Band 1.1. Denkmaltopographie der Bundesrepublik Deutschland).