3. Hotel „Alt Warburg“

Fachwerkhaus, jetzt Gasthof und Hotel Alt Warburg. Großes, dreigeschossiges Eckhaus mit Diele und vorkragendem Speicher- und Dachgeschoss, 1519/20 (Datierung auf dendrochronologischer Basis). Das Hauptgebäude eines zentral in der Neustadt gelegenen, ursprünglich wohl größeren Grundstücks wurde etwa 1520 anstelle eines Vorgängerbaus vor einem damals stehengelassenen Hinterhaus neu errichtet. Dieses unterkellerte Rückgebäude erfuhr im 19. und 20. Jahrhundert mehrfach Erweiterungen und zum Teil eingreifende Veränderungen; ab 1931 war darin über Jahrzehnte ein Kinosaal untergebracht.

Das Haupthaus selbst wurde im 18. und 19. Jahrhundert unter anderem im Bereich der Diele verändert und der Giebel zu einem Krüppelwalm verkürzt. Im Zuge einer umfassenden Instandsetzung hat man 1978-80 das Fachwerk freigelegt, die Einbauten und Zimmerwände seitlich der Diele weitgehend entfernt, ein Stahlstützwerk eingefügt, das Speichergeschoss zur Hotelnutzung ausgebaut und die Giebelspitze rekonstruiert, aber auch den rückwärtigen tonnengewölbten Keller entfernt. Das Fachwerk ist mit neun mal neun Gebinden über einem nur wenig gelängten Grundriss errichtet. Die Fachwerkständer und traufseitigen, überblatteten Streben erstrecken sich über die beiden unteren Geschosse, die östliche Traufwand wurde massiv erneuert. Das leicht spitzbogige, durch eine Holz-Glas-Konstruktion gefüllte Dielentor sitzt in einem profiliert gerahmten Rechteckfeld. Die Inschrift darin wurde im Zuge der Instandsetzung neu entworfen. An zwei Knaggen darüber ist der Name JOA KANNE eingeschnitzt.

An der Nord- und der Westseite kragt das Speichergeschoss wie auch der Giebel über profilierten Schwellbalken und tief gekehlten Knaggen vor. Giebelseitig gibt es am Speichergeschoss eine Reihung gebogener Fußbänder, die Brustriegel darüber sind mit einer Profilierung versehen. Im Inneren wurden die beiden unteren Geschosse durch die Entfernung der Dielenseitenwände für die Gaststättennutzung zu einem großen Raum mit umlaufender Empore zusammengefasst. Die Ständerreihen im ehemaligen Speichergeschoss befinden sich heute innerhalb der Zimmer, zum Teil haben sich an den seitlich abgefasten Ständern noch vier Kopfbänder erhalten. Das Dachwerk ist mittig in der Längsrichtung durch eine Konstruktion aus Spitzsäulen, Längsunterzügen und überkreuzten Streben ausgesteift, auf der ersten Dachebene gibt es zusätzlich zwei einfache Ständerreihen. Der platzbildprägende Eckbau ist eines der stattlichen spätmittelalterlichen, dreischiffigen Dielenhäuser, wie sie vorwiegend von der städtischen Oberschicht erbaut wurden.

BSW – KASPAR 1986, Seite 232; NOLTE 1986B, Seite 164; BAUDENKMÄLER ohne Jahr, Seite 222; DEHIO 2011, Seite 1124.

Quelle: Stadt Warburg. Hrsg. v. Landschaftsverband Westfalen-Lippe und der Hansestadt
Warburg. Petersberg 2015 (Denkmäler in Westfalen, Kreis Höxter, Band 1.1.
Denkmaltopographie der Bundesrepublik Deutschland).