31. Eisenhoithaus

Für das zweigeschossige, giebelständige Fachwerkhaus gibt die Inschrift ANO:DM. M°.VC° (Beil) XXVJ.°JUEIO // JASPAR ISERENDHOD am Torbogen Hinweise auf das Baujahr 1526 und den als Metzger tätigen Bauherrn. Dieser war der Vater des 1553/54 geborenen Antonius Eisenhoit (> Kalandstraße o. Nr.), der als Goldschmied und Kupferstecher überregionalen Ruhm erlangte und möglicherweise in dem Haus auch seine Werkstatt hatte. Der Ursprungsbau entsprach einem spätmittelalterlichen Dielenhaus und wurde vermutlich im frühen 18. Jahrhundert stark verkleinert, indem man es an der Ostseite um die Breite zweier Gefache reduzierte sowie das Speichergeschoss und das Hinterhauses entfernte. 1981-84 umfassende Sanierung, dabei Reste eines Vorgängerbaus aus dem späten Mittelalter (unter anderem die Herdstelle) ergraben sowie Rekonstruktion der nach dem Hochwasser von 1965 massiv ersetzten Fachwerkbereiche v. a. im Südteil der Westtraufseite, Abbruch eines Schleppanbaus an der Ostseite, Verlegung der Treppe in den Eingangsbereich und Dachausbau sowie Ergänzung der Ornamentik im Torbogen. 2012 Fassadensanierung. Das Fachwerk lässt mit den breiten Gefachen in Geschossbauweise und den langen, bis zur heutigen Traufe reichenden Streben die spätmittelalterliche Konstruktionsweise erkennen. Zeitlich zugehörig die Vorkragung unter dem ehemaligen Speichergeschoss mit den auf gekehlten Knaggen ruhenden Balkenköpfen und die Form des 2012 erneuerten Schwellholzes
mit Abfasungen und Rundstab. In einer Knagge findet sich wohl mit Bezug auf den Erbauer ein geschnitzter Helm. Als außergewöhnliche Zierform kann die Flachschnitzerei der Frührenaissance auf dem oberen Brett des Torbogens gelten; diese zeigt ein Rundfeld mit Frauenbüste und beidseitig davon Rankenwerk, dem teilweise Drôlerien, Tierköpfe und Arabesken entwachsen sowie einen auf einen Storch zielenden Jäger. Das jüngere Giebelfachwerk hat enger gesetzte Ständer und Riegel; markantes Motiv ist das aus Kopf- und Fußstreben mittig an der Vorkragung ausgebildete stehende Quadrat. Anhand von Befunden, die während des Umbaus der 1980er Jahre festgestellt wurden, verlief ursprünglich in der hohen Diele vor dem westlichen Stubenteil eine Galerie. Sie war über eine steile Holztreppe erreichbar und führte durch zwei Türen in die oberen Stuben. In veränderter Position sind die beiden profilierten Türgewände – das eine spitzbogig mit Rundstäben und Kehlung, das andere rundbogig mit gedrehten Bändern – erhalten. Das im 18. Jahrhundert in seiner Größe reduzierte spätmittelalterliche Dielenhaus ist eng mit dem Namen Eisenhoit verbunden, auf den möglicherweise die im Stadtgebiet einmalig erhaltene Dekoration im Torbogen zurückgeht.

BSW – BKW WARBURG 1939, Seite 478f.; AFWL 3 (1985), Seite 260; KASPAR 1986, Seite 228; NOLTE 1986B, Seite 164; BAUDENKMÄLER ohne Jahr, Seite 165; DUBBI 2003A, Seite 14-16.

Quelle: Stadt Warburg. Hrsg. v. Landschaftsverband Westfalen-Lippe und der Hansestadt Warburg. Petersberg 2015 (Denkmäler in Westfalen, Kreis Höxter, Band 1.1. Denkmaltopographie der Bundesrepublik Deutschland).