4. Neustadtkirche St. Johannes Baptist

Die katholische Pfarrkirche St. Johannes Baptist besteht aus einer dreischiffigen, spätromanischen Halle von zwei Jochen mit Querhaus und Westturm, einem einschiffigen, hochgotischen Chor mit ehemaliger Nordsakristei, zwei spätgotischen Kapellenanbauten am Langhaus sowie einer historistischen Sakristei an der Chorsüdseite. Ihre Errichtung gehörte zur Konzeption der im 2. Viertel des 13. Jahrhunderts unter dem Paderborner Bischof Bernhard IV. erfolgten Gründung der Neustadt, innerhalb derer sie zusammen mit dem im 19. Jahrhundert abgetragenen Rathaus eine zentrale Lage erhielt. 1250 wird ein erster Neustädter Pfarrer urkundlich erwähnt, etwas später dürfte die Kirche in ihrer Erstbauphase fertiggeworden sein. An den Turmobergeschossen wurde nach 1291 (Datierung auf dendrochronologischer Basis) oberhalb der Gewölbe bis in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts weitergebaut. Laut Inschriften am und im Chor erfolgte dessen Neubau zwischen
1366 und 1430. Von 1396 blieb ein Werkvertrag mit einem der Steinmetzen, Henrich van Eythach, erhalten. Anschlusssteine an der Nordseite geben Hinweis darauf, dass das gegenüber dem neuen Chor deutlich niedrigere Langhaus ebenfalls neu errichtet werden sollte. 1450 entstand als Stiftung von Arnold Pistor an der Südseite ein Kapellenanbau, etwa zeitgleich ein weiterer an der Nordseite. Um 1730 erhielt der Turm anstelle des geschädigten Spitzhelms nach Entwurf des fürstbischöflichen Baumeisters Franz Christoph Nagel einen Abschluss über vier Giebel, der sich am damaligen Spitzhelm des Paderborner Domes orientierte. Nachdem 1719 ein barocker, von Johann Conrad Schlaun entworfener Hochaltar angeschafft worden war, kam es 1865/66 bei einer Regotisierung des Innenraums zur Entfernung der Altäre, ab 1882 entstand als Ersatz für den SchlaunAltar ein neugotischer Hochaltar. 1899-1908 erfolgte durch Franz Mündelein eine erneute Regotisierung, dabei entstanden unter anderem 1901/02 der neue Turmhelm und die Südsakristei, 1907 die Maßwerkgalerien am Chor und am Turm sowie innen die Öffnung vom Querschiff zu der zur Herz-Jesu-Kapelle umgestalteten Nordsakristei. Sanierungen fanden 1959-62 im Inneren und 1976-79 aufgrund eines Sturmschadens außen und innen statt. Bei einer Sanierung wurden 2004 hinter dem nördlichen Chorgestühl das Wandbild mit Christophorus und aufgeklebte Totentanzdrucke entdeckt. Das Langhaus und der mittelschiffbreite Turm wurden über wulstig profiliertem Sandsteinsockel aus grauem Kalkstein mit Kanten aus dunklem Sandstein errichtet. An der Halle, den Querhäusern und den unteren Turmgeschossen dominieren die Mauerflächen; es gibt nur wenige einbahnige Spitzbogenfenster. In den jüngeren Turmobergeschossen finden sich auf zwei Ebenen paarweise zweibahnige Fenster. Die kleineren unterhalb eines Geschossgesimses haben aus Rundstäben gebildetes Maßwerk mit Dreipassschluss, an den größeren Fenstern der Glockenstube mit Vierpassschluss ist das Maßwerk kantig. Oberhalb des Umgangs mit neugotischer  Maßwerkgalerie bereichern dreibahnige Blendfenster mit gestapelten Kleeblattbögen die vier Giebel des achteckigenSpitzhelms. Die im Baumaterial dem Langhaus angepassten spätgotischen Kapellenanbauten zeigen nordseitig zwei dreibahnige, genaste Lanzettfenster, südseitig ein vierbahniges.

An der Westseite dieser Kapelle und an der Südseite des Turms gibt es turmartige Anbauten fürWendeltreppen. Das Westportal sitzt im Turm in einer spitzbogigen, abgetreppten Laibung. Die
beiden an den Giebelseiten der Querhäuser jeweils nach Westen verschobenen Portale zeigen eine deutliche Hierarchie zwischen dem ehemals als Totentür bezeichneten Nordportal, das in der getreppten Laibung durch eingestellte Säulen und Rundstab betont wird, und dem aufwendig gestalteten, südseitigen Portal. Eine rechteckige Vorlage mit zwei bekrönten Köpfen an den Kanten umfängt dieses spitzbogige Stufenportal. Eingestellte Runddienste mit Knospenkapitellen, eine kugelbesetzte Kehle und ein kräftiger Wulst mit schuppenartigem Röllchenfries zieren die Laibung. Ähnliche Zierformen einschließlich der Köpfe finden sich auch bei St. Nikolaus in Obermarsberg (Südportal, Chor). Die besondere Betonung der Südwand des Querhauses als Schaufront zeigt sich auch im Giebel durch eine Blendnische mit höhengestaffelten Kleeblattbögen und Fünfpassöffnung im Giebel darüber. Das Achtpassfenster über dem Portal ersetzte im frühen 20. Jahrhundert eine größere Öffnung. Vermutlich vom ehemaligen Kirchhof stammen die an der Nordseite des Langhauses angebrachten Grabsteine, von denen einer einen Adligen in Harnisch zeigt, wohl Johannes
Hiddessen († 1621). Steine für Maria Elisabetha Didden († 1795) und für drei Verstorbene aus der Familie Böttrich, darunter F. A. Böttrich († 1806), sind abgewittert. Der hohe, zweijochige Chor mit 5/8-Schluss setzt sich durch die Verwendung von roten Sandsteinquadern vom Langhaus ab. Schlanke, gestufte Strebepfeiler mit 1907 nach Vorbild unter anderem der Kilianskirche in Korbach aufgesetzten Fialen gliedern die fast vollständig in dreibahnige Fenster aufgelösten Wände, das Traufgesims unterhalb der jüngeren Maßwerkgalerien verkröpft sich um die Strebepfeiler. Von den über dem Kaffgesims ansetzenden hohen Fenstern ist nur das am Chorscheitel vierbahnig. Ihr Maßwerk besteht aus Drei- und Vierpässen, sphärischen Drei- und Vierecken sowie Fischblasen. Insgesamt folgt der Chor gestalterisch nordhessischen Bauten in Nachfolge der Marburger Elisabethkirche (Frankenberg und Homberg a. d. Efze). Im Westteil des Chors verweisen Anschlusssteine und Teile von Fensterlaibungen, von denen die südseitige von außen erkennbar ist, auf die unausgeführt gebliebene Langhauserneuerung. Bereits die durch Strebepfeiler gegliederte ehemalige Sakristei an der Nordseite blieb unvollendet, über dem Pultdach ist die Bruchsteinwand als eine für Putzauftrag bestimmte Innenwand kenntlich. In der Ecke zwischen Treppenturm und Ostwand der ehemaligen Sakristei findet sich ein Figurenfragment. Der außen erkennbare Gegensatz von niedrigem, wenig belichteten Langhaus und hohem, hellem Chor bestätigt sich im Inneren. Das Langhaus zeigt gestalterisch Übereinstimmungen zu westfälischen Bauten vom Übergang der Spätromanik zur Frühgotik. Die Joche des Mittelschiffs und des Querhauses sind nahezu quadratisch, die Seitenschiffjoche längsrechteckig. Über Kreuzpfeilern mit Kämpferplatten im Westteil und über durch Halbrundvorlagen und Runddienste ergänzten Kreuzpfeilern im Querhaus lagern zwischen
spitzbogigen Gurt- und Scheidbögen kuppelige Kreuzgratgewölbe. Die Bögen haben im Westteil abgefaste und im Querhaus gerundete Unterzüge. Im Querhaus gibt es bei der Kapitellplastik zwischen dem westlichen, stilisierten Blattwerk und den östlichen, mit Perlschnüren ergänzten Blättern (vergleiche St. Nikolaus in Obermarsberg) einen stilistischen Unterschied. In den Gewölbefeldern sind aufgemalte Kreuzrippen (1979 erneuert) wie im Paderborner Dom mit plastisch ausgeführten Schlusssteinen kombiniert. Die durch die Orgelempore unterteilte Turmhalle hat ebenfalls ein Kreuzgratgewölbe, auf dem die aufgemalten Kreuzrippen ohne Schlussstein im Scheitel durch kaum mehr kenntliche florale Motive ergänzt sind. Die südliche Seitenkapelle deckt eine Quertonne, die nördliche zwei durch Gurtbogen unterteilte Kreuzgewölbe, deren gekehlte Rippen ansatzlos der Wand entspringen. Der Chor gehört als Raumschöpfung zu den baukünstlerischen Höhepunkten Warburgs. Durch den kräftigen, niedrigen, spätromanischen Triumphbogen vom etwas schmaleren Mittelschiff getrennt, bietet er eine nahezu eigenständige hohe und helle Raumeinheit, farblich bestimmt  von weißer Quadermalerei auf roter Kalklasur, 2004 nach Befund erneuert. Wandgliederung durch Runddienste mit reichen Blattwerkkapitellen und verkröpftes Kaffgesims; im Norden wegen der anschließenden ehemaligen Sakristei Blendfenster. Die Dienste sind zur Aufstellung von Figuren durch dekorierte Konsolsteine und Baldachine (1856 wurden vier
davon in Holz ergänzt) unterbrochen. Auf etwa zwei Dritteln der Raumhöhe setzt das Kreuzrippengewölbe an, dessen gratig gekehlte Rippenprofile sich von den Birnstabprofilen
der Dienste unterscheiden. Die Schlusssteine über den beiden Jochen zeigen das Paderborner und das – wohl erneuerte – Warburger Wappen, über dem Chorscheitel der Christuskopf. Neben den Dienstfiguren ergänzen entsprechende Konsolen für Wandfiguren das Programm auf 14 Personen, was einer Apostelgruppe mit Maria und Christus entspricht. Davon wurden jedoch nur zehn Plätze für acht Sandstein- und zwei Holzfiguren genutzt. Die Steinfiguren bieten trotz einer mehrere Jahrzehnte umfassenden Entstehungszeit eine erstaunlich einheitliche Gesamterscheinung und stammen vermutlich aus münsterischenWerkstätten: Die Heiligen Johannes Ev. und Matthäus entstanden als älteste Figuren um 1380, besonders der Johannes zeigt stilistische Abhängigkeiten von den ehemaligen Portalfiguren der Überwasserkirche in Münster (heute LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster); die Figuren Mariens und des Christus Salvator um 1430, beides herausragende Werke, wobei besonders Maria mit ihrer feinen Modellierung und prachtvollen Krone zu den gestalterischen Höhepunkten gehört und Vergleichsmöglichkeiten zu einer für Stockum gearbeiteten Madonna bietet (ebenfalls LWLMuseum für Kunst und Kultur); rund 20 Jahre jünger sind die Heiligen Judas Thaddäus, Paulus, Petrus und Jakobus d. Ä., letzterer besonders bei der
Kopfdarstellung mit Parallelen zum Bentlager Sippenrelief (Städtisches Museum Rheine). Die etwa 20 cm größeren Holzfiguren der Heilige Simon Zelotes und Andreas dürften um 1520
durch einen Bildhauer aus der Region geschaffen worden sein, an den barock gefassten Figuren zeigen besonders die Gesichter Bezüge zu den Apostelfiguren in der evangelischen Kirche, ehemalige Dominikanerkirche (> Brüderkirchhof 7). Einen reichen und in seinen Motiven in Westfalen seltenen Bestand an Bildhauerarbeiten vom Ende des 14. Jahrhunderts bieten die beiden Einfassungen der heute leeren Viersitze in den westlichen Wandfeldern des Chorpolygons. In das Schleiermaßwerk integriert finden sich die Evangelistensymbole, Fabelwesen, menschliche Figuren, dazu drôlerieartig eine Blattmaske, ein Meerweibchen als lockende Sirene, ein eitler Affe mit Spiegel und ein Dudelsack spielender Esel als mahnende Beispiele einer lasterhaften Lebensführung. Die nördliche Tür zeigt am Schulterbogenschluss und im Maßwerktympanon, stilistisch eng mit den Viersitzen verwandt, eine Blattmaske und figürliche Reliefs. Die westlichen Steinbänke wurden abgeschlagen und durch ein 1524 wohl für die Kalandbruderschaft gearbeitetes, eichenes Gestühl ersetzt; in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts und 1819 verändert; die Baldachine sind verloren. Mit Errichtung des Gestühls wurden ein Wandbild des Heiligen Christophorus und Holzschnitte eines Totentanzes verdeckt, die man erst bei der Restaurierung 2004 wiederentdeckte und sicherte. Der  in Kalkseccotechnik ausgeführte, vermutlich unvollendete Christophorus folgt einem Stich Martin Schongauers von etwa 1470/80 (unter anderem vergleichbar der Darstellung in der evangelischen Kirche in Zierenberg, Kr. Kassel). Das Bild entstand möglicherweise für die 1491 gegründete Kalandbruderschaft (> Sternstraße 21), sicher jedoch vor 1524. Aufgrund des langen Verborgenseins haben sich die Farben in ungewöhnlicher Frische und Intensität erhalten (Kopie im Nordquer arm). In Wandfeldern westlich davon waren kolorierte Einblattdrucke eines Totentanzes (etwa 36 x 28 cm) aufgeklebt. Die in Resten erhaltene Stichfolge stellt eine bisher unbekannte Variante des durch Heinrich Knoblochtzer publizierten Totentanzes dar und entstand vermutlich 1488/89 vor dem Heidelberger Buchexemplar.

Hinter dem Chorgestühl und an anderen Stellen der Chorwände gibt es eine Vielzahl von Graffiti vorwiegend des 15. und 16. Jahrhunderts, die zumeist Namen, aber auch religiöse Inhalte wiedergeben und teilweise mit angstvollen Kommentaren zum Hessenkrieg auf das Zeitgeschehen reagierten. Der prachtvolle Raumdekor des Chors wird stimmig ergänzt durch den Bodenbelag von 1907 aus Mettlacher Platten und durch die Farbfenster – das Mittelfenster mit den zentralen Themen der Deesis und der Letzten Dinge von 1882 nach Entwurf von Heinrich Wiethase durch  Schneider & Scholz (alle Köln), die der Auferstehung und Geburt Christi gewidmeten Fenster seitlich davon 1852 von Benedikt Brinkmann, Paderborn. Die 1907 in der Nordsakristei eingerichtete Herz-Jesu-Kapelle stimmt in Baugestaltung und -dekor weitgehend mit dem Chor überein. Mit figurativen Kapitellen versehene Dienste und eine Konsole (vor der Wendeltreppe in der Südostecke) tragen Kreuzrippengewölbe. Ein spitzer, profilierter Gurtbogen trennt die beiden Joche. In der Nordwand eine fein gearbeitete Ausgussnische. Das Farbfenster der Herz-Jesu-Vision der Margareta Maria Alacoque wurde 1908 durch die Trierer Firma Binsfeld gefertigt. 1882 begannen nach Entwurf von Heinrich Wiethase die Arbeiten am neugotischen steinernen Hochaltar. Die Ausführung durch die Warburger Bildhauer Franz Dahme und Franz Heise dauerte bis 1889. In feingliedriger und von einer Kreuzigungsgruppe bekrönter reicher Retabelarchitektur sind Reliefs der Vita Johannes d. T. integriert, in Nischen stehen Figuren der Heiligen Thomas von Aquin und Klara von Assisi sowie der zur Entstehungszeit noch nicht heiliggesprochenen Mystiker Margareta
Maria von Alacoque und Niklaus von Flüe. In der Herz-Jesu-Kapelle wurde der sogenannte Charvinaltar aufgestellt, urspr. im Charvinstift (Unterstraße). Das in der 2. Hälfte des 15.
Jahrhunderts wohl in Süddeutschland oder Thüringen entstandene Klappretabel aus Nadelholz mit Fassung aus der Zeit um 1900 zeigt im Schrein die von Heiligenreliefs flankierte
Muttergottes, auf den bemalten Flügeln vier weitere Heilige. An der Westwand des Südschiffs befindet sich der sogenannte Geismaraltar, den laut Stiftungsinschrift Bernhard von Geismar d.
Ä. 1627 aufstellen ließ. Der Ädikulaaufsatz in Formen der Spätrenaissance zeigt in Öl auf Holz gemalt als Hauptblatt die Schutzmantelmadonna, im Auszug den Stifter. In der nördlichen
Seitenkapelle steht ein der Heiligen Familie gewidmetes Holzretabel der Beuroner Schule von 1896. Mit dem als Chronogramm wiedergegebenen Bibelvers A[nn]õ PreDICa VerbVM 2 Tim 4
ist die aus Sandstein gefertigte RenaissanceKanzel 1611 datiert; seit 1979 steht sie am südöstlichen Vierungspfeiler. An dem mit ionischen Säulen, Beschlagwerk und Engelsköpfen ornamentierten Korb sind die Kirchenväter und Johannes d. T. in Nischen besonders hervorgehoben, darunter als Reliefs die Evangelistensymbole und Stifterwappen, dazu als griechische Inschrift eine der Seligpreisungen aus Lk 11,28.

Der im südlichen Seitenschiff aufgestellte, 1598 datiert, aus Sandstein gearbeitete Taufstein zeigt ebenfalls Renaissanceformen unter anderem mit Engelsfiguren und Rollwerkkartuschen. Im  Chorbogen hängt ein ausdrucksstarkes, kunsthistorisch beachtliches Triumphkreuz mit Korpus aus Lindenholz auf einem eichenen Kreuz mit aufgemalten, entstehungszeitlichen Evangelistensymbolen an der Rückseite. Das um 1460/80 entstandene Bildwerk wird einer Gruppe nordhessischer Kruzifixe, unter anderem Battenfeld oder Hatzfeld, zugeordnet. Bei der Sanierung 1981/82 wurde die zweitälteste, barocke Überfassung wieder freigelegt. In der Sakristei wird ein Bronzekruzifix vom Ende des 14. Jahrhunderts verwahrt. Der um 1430 entstandene Korpus eines ehemaligen Gabelkreuzes mit freigelegter spätmittelalterlicher Fassung hängt in der Herz-Jesu-Kapelle. Die um 1380/90 geschnitzte Pietà aus verschiedenen Holzsorten steht in einer Nische im nördlichen Querarm. Westlich davon eine um 1420 gearbeitete Ölberggruppe aus Sandstein, die ursprünglich an der Choraußenseite stand. Der Kopf des Apostels Jakobus und der Engel sind Ergänzungen von 1910 durch den Wiedenbrücker Bildhauer Anton Mormann. Neben der Bogenöffnung zur HerzJesu-Kapelle steht eine leicht überlebensgroße Schmerzensmannfigur aus der Zeit um 1500. Als Reste des barocken Hochaltars, 1719 durch Johann Conrad Schlaun entworfenen, verdienen die durch einen unbekannten Bildhauer geschaffenen Figuren einer Taufgruppe und zweier Heiliger im südlichen Querhausarm Beachtung. Von den im Kirchenraum verteilten Schnitzfiguren sind im Nordschiff die Heilige Agatha und Johannes d. T. aus 17. Jahrhundert und in der südlichen Kapelle ein weiterer Johannes aus dem 18. Jahrhundert erwähnenswert. Neben dem Südportal gibt es ein relativ kleines, farbig gefasstes, 1603 bezeichnet Sandsteinepitaph für den Bürgermeister Hermann von Hiddesen und seine Gemahlin, das beide betend seitlich der Kreuzigung zeigt, darüber Gottvater. Im 19. Jahrhundert wurden die Dachwerke unter Wiederverwendung älterer Hölzer neu aufgerichtet: 1813 über dem Chor mit Hölzern von 1420 (Datierung auf dendrochronologischer Basis) sowie 1864 und 1866 über Langhaus und ehemaliger Sakristei mit Hölzern um 1430 (Datierung auf dendrochronologischer Basis). Mit dem hohen Turm als weithin sichtbarer Landmarke bildet die Johanneskirche das bauliche Zentrum in der Neustadt. Große architektonische Bedeutung besitzt der hochgotische Chor, dessen Gesamtform in nordhessisch tradierter Nachfolge der Marburger Elisabethkirche steht und im Inneren durch eine qualitätvolle baudekorative Ausstattung und Bildhauerarbeiten ergänzt wird; beachtenswert ist auch die übrige Ausstattung.

HAGEMANN 1903, Seite 9-19; BKW WARBURG 1939, Seite 413-429; FREUND 1986A, Seite 100-106, 115-117; FREUND 1990; BAUDENKMÄLER ohne Jahr, Seite 124; ARCHÄOLOGISCHE BESTANDSERHEBUNG 1998, Seite 66-68; ARBEITSHEFT LWL DENKMALPFLEGE 02 2006; DEHIO 2011, Seite 1114-1118; BIALAS 2012; DUBBI 2012, Seite 42f.; HEUTER 2012, Seite 102 folgende

Quelle: Stadt Warburg. Hrsg. v. Landschaftsverband Westfalen-Lippe und der Hansestadt Warburg. Petersberg 2015 (Denkmäler in Westfalen, Kreis Höxter, Band 1.1. Denkmaltopographie der Bundesrepublik Deutschland).