6. Hiddessenhaus

Das stattliche traufständige, neunachsige Fachwerkhaus mit Mansardwalmdach wurde wohl kurz vor der Mitte des 18. Jahrhunderts als Stadtpalais für die von Hiddessen, eine der damals  führenden Familien in der Stadt, errichtet. 1979/80 erfolgte der Einbau von Mietwohnungen, wodurch eine große Eingangshalle und ein Festsaal, der zwei Rokoko-Kamine enthielt, aufgegeben wurden, und die hohe Anzahl an Dachgauben entstand. Auf hohem Kellersockel aus Bruchstein mit Eckquaderung setzt das wohl ursprünglich verputzte, zweigeschossige Fachwerk an. Es zeigt eine schmucklose, dreifach verriegelte Form mit vereinzelten Fußstreben. In ungewöhnlicher Weise binden die Streben nicht in die Eckständer, sondern in danebengestellte Ständer ein. Die Mittelachse ist durch die zweiläufige Treppe aus Sandsteinquadern mit geschmiedetem Geländer und einen nur leicht vortretenden Mittelrisalit mit Zwerchhaus betont. Die Farbgebung des Kastengesimses unterhalb der Traufe und am Ortgang stammt freischöpferisch aus der Zeit des neuzeitlichen Umbaus. Rückwärtig führt eine gewinkelte Treppe auf eine mit Sandsteinpfeilern versehene Plattform über dem hier aufgrund der Hanglage ebenerdigen Kellerzugang. Die Kellerräume erstrecken sich unter dem Nordteil und haben Kreuzgratgewölbe, die leicht aus der Mitte gerückt auf Sandsteinpfeilern ruhen.

Südöstlich ist ein weiterer Kellerraum angesetzt, aufgrund eines ehemaligen Kamins an dessen Westwand kann hier die ursprüngliche Küche vermutet werden. Vom Erdgeschoss bis
ins Dachgeschoss verläuft eine prachtvolle Podesttreppe mit Balustergeländer. Die ursprüngliche Raumerschließung über Längsflure seitlich der Eingangshalle ist nicht mehr kenntlich. Die neuzeitlich ausgebaute erste Dachebene hat liegende Stühle mit gedoppelten Kopfbändern. Einer der freiliegenden Sparrenbalken zeigt Ornamente, die ihn als wiederverwendetes Bauholz wohl der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts ausweisen. Der sogenannte Hiddessenhof dominiert als voluminöser Wohnbau den nordöstlichen Teil der Unterstraße und zeigt als ehemaliger Adelspalais im Inneren Reste einer repräsentativen Ausstattung.

BSW – BAUDENKMÄLER ohne Jahr, Seite 246.

Quelle: Stadt Warburg. Hrsg. v. Landschaftsverband Westfalen-Lippe und der Hansestadt Warburg. Petersberg 2015 (Denkmäler in Westfalen, Kreis Höxter, Band 1.1. Vor GDK als öffentlich markierte Objekte Denkmaltopographie Warburg Denkmaltopographie der Bundesrepublik Deutschland).