7. Erasmus-Apotheke

Großer dreigeschossiger giebelständiger Fachwerkbau von 1520/21 (Datierung auf dendrochronologischer Basis) mit vorkragendem Speichergeschoss, hohem Krüppelwalmdach und verbrettertem Giebeltrapez, seit 1950 Erasmus-Apotheke. Bei dem Fachwerkbau kann vermutet werden, dass die bei vielen Warburger Wohnbauten zuvor eigenständig ausgebildeten Bestandteile Dielenhaus und Saalhausbau nun in einem lang gestreckten Baukörper mit durchlaufendem Speichergeschoss und Dach zusammengefasst wurden. Ein etwa 1800 erfolgter Umbau erbrachte im vorderen Hausteil unter Aufgabe der hohen Diele in den beiden Wohngeschossen Veränderungen bei der Raumanordnung und dazu die weitgehende Erneuerung des Fachwerks an der West- und der Südseite. In der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts dienten die Vertreter der hier ansässigen Familie Koch als Postexpediteure. 1937 wurde ein nachträglicher Anbau im Osten zugunsten einer Bruchsteinmauer
abgebrochen. Die Einrichtung einer Apotheke 1950 zunächst im straßenseitigen Teil brachte weitere Veränderungen im Grundriss, später erhöhte sich die Zahl der ostseitigen Eingänge von einem auf drei. 2005 wurde das straßenseitige Fachwerk saniert. An der östlichen Traufseite lässt sich die Struktur des Fachwerks als Stockwerkbau des 16. Jahrhunderts mit über beide Geschosse reichenden Ständern und langen überblatteten Streben und dem darüber weit vorkragenden Speichergeschoss gut erkennen. Der an den vier südlichen Gebinden mit polychromer Profilierung verzierte Schwellbalken ruht auf weit vorkragenden, von lang gekehlten Knaggen unterstützten Balkenköpfen; die gleiche Knaggenform findet sich auch unter der Traufe. An beiden Traufseiten des Speichergeschosses reihen sich Ständer mit beidseitig angesetzten gerundeten Fußbändern, dazu auf die Ständer geblattete profilierte Brustriegel.

Das jüngere Fachwerk ist regelmäßig, in teilweise recht enger Anordnung aus Ständer, Riegel und nur wenigen Streben aufgebaut. Die Eingangstür in Rokokoformen stammt wohl aus der Einrichtungszeit der Apotheke. Unter dem etwa ein Drittel der Raumlänge einnehmenden ehemaligen Saalhausteil liegt ein tonnengewölbter Keller, dessen Scheitel aufgrund des abfallenden Geländes unterhalb des Fußbodenniveaus bleibt. Von besonderer Qualität ist der hinter einem spitzbogigen Durchgang ansetzende, mit zweifachem Richtungswechsel geführte Treppenabgang zur Diele. Eine seitliche Nische darin lässt einen ehemaligen  Hausbrunnen an dieser Stelle vermuten. Die einheitliche Ausführung von Keller und Treppenaufgang deutet auf eine Entstehung des Kellers im 16. Jahrhundert hin. In der erneuerten östlichen Kellerwand führt ein Ausgang zum Hof. Beim spätbarocken Innenausbau ist mittig eine durch Flure von der Straße und vom Hof her erschlossene Diele entstanden. Inwieweit deren Ausmaße denen der ursprünglichen hohen Diele entsprechen, ist nicht geklärt. Im Speichergeschoss verlaufen in Längsrichtung zwei Ständerreihen, an deren Stelle sich im ersten Dachgeschoss zwei stehende Stuhlreihen finden. Die Stuhlsäulen sind durch vier Kopfbänder mit den Kehl- und Rähmbalken verbunden. Darüber wechselt die Dachwerkskonstruktion in die Mitte, sie setzt sich zusammen aus drei großen Andreaskreuzen und dadurch versteiften Längszügen unter den Kehlbalken. Das mit einer Länge von knapp 20 m zu den größten Warburger Fachwerkbauten zählende Gebäude nimmt im Straßenbild eine dominierende Stellung ein und besitzt im Übergang von spätmittelalterlicher zu neuzeitlicher Wohnhausstruktur hauskundliche Bedeutung.

BSW – HASSEL 1953B; KASPAR 1986, Seite 228; NOLTE 1986B, Seite 164; BAUDENKMÄLER ohne Jahr, Seite 187; DEHIO 2011, Seite 1123.

Quelle: Stadt Warburg. Hrsg. v. Landschaftsverband Westfalen-Lippe und der Hansestadt Warburg. Petersberg 2015 (Denkmäler in Westfalen, Kreis Höxter, Band 1.1. Denkmaltopographie der Bundesrepublik Deutschland).