8. Engelhardtsches Haus
Wohn- und Geschäftshaus. Dreigeschossiges Eckgebäude mit reich verziertem Fachwerk, wohl 3. Viertel 16. Jahrhundert. Am östlichen Rand des Kirchhofs entstand das Haus wie weitere, südlich anschließende auf Flächen, die wohl aus dem Grundstück des Pfarrhofs > Kalandstraße 8 herausgetrennt worden wurden. Die weitgehend Bibelversen folgenden Inschriften, die auch einen Pastor HENRICH GREVTE nennen, lassen vermuten, dass es kirchlichen Zwecken diente, möglicherweise als Vikariatshaus. Im frühen 20. Jahrhundert erfolgte an dem zwischenzeitlich in Privatbesitz gelangten sogenannte Engelhardt’schen Haus im Vorfeld einer zwischen 1907 und 1914 geplanten Sanierung eine Bauaufnahme. Die Arbeiten erfolgen aber erst 1929 unter Regie des Kreises als damaligem Besitzer. Diese Maßnahme hatte laut beaufsichtigendem Kreisbaumeister das Ziel, das „Gebäude zu erhalten und den alten Charakter desselben zu wahren.“ Hierzu wurden die Fachwerkwände saniert und farbig gefasst, jedoch zugleich die Eingangsseite mit Schaufenstern neu errichtet und die Innendisposition vollständig verändert. Dadurch rückten der Eingang und das in der ehemaligen Wohndiele untergebrachte Treppenhaus aus der Mitte, wo es ursprünglich ein Rundbogentor gab, in den östlichen Gebäudeteil.
In dem für Lagerzwecke zuvor weitgehend unausgebauten, fensterlosen zweiten Obergeschoss entstanden ebenfalls Wohnräume. Das über relativ kleiner, annähernd quadratischer Grundfläche errichtete Gebäude kragt an beiden Obergeschossen und zweimal am Giebel vor. An allen Schwellhölzern und zusätzlich an einem Brustriegel der Traufseite finden sich Inschriften, die Fasen und die Füllhölzer darunter haben Perl- und Schnürrollen als Verzierung, den Ständern darüber sind halbkreisförmige Fächerräder vorgesetzt. In städtebaulich prominenter Lage zählt das Fachwerkhaus aufgrund seiner aufwendigen Dekoration zu den herausragenden Beispielen in der Stadt. Die besondere Wertschätzung sorgte im frühen 20. Jahrhundert für den Erhalt des Gebäudes, brachte aber eine aus heutiger Sicht zu stark in die Substanz eingreifende Sanierung mit sich, was das Haus zugleich Bestandteil der Geschichte der Denkmalpflege in Warburg werden ließ.
ASW D/1807; BSW – BKW WARBURG 1939, Seite 472-474, 476; KASPAR 1986, Seite 228; BAUDENKMÄLER ohne Jahr, Seite 188.
Quelle: Stadt Warburg. Hrsg. v. Landschaftsverband Westfalen-Lippe und der Hansestadt Warburg. Petersberg 2015 (Denkmäler in Westfalen, Kreis Höxter, Band 1.1. Denkmaltopographie der Bundesrepublik Deutschland).